Verdammt – jetzt geht das von vorne los
19 01 2009Liebe Hessischen Studienkollegen. Es ist wirklich schade, dass sich unser schönes Bundesland nun weitere fünf Jahre mit einem Ministerpräsident rumschlagen muss, der ganz schön weit rechts sitzt und dazu noch den Armen das Leben erschwert. Waren wir doch alle sehr froh, dass es wenigstens in Hessen mit der Abschaffung der Studiengebühren geklappt hatte. Das zwar nicht unmittelbar über die Verfassungsklage, aber durch eine Mehrheit im Landtag, die anscheinend genauso wenig von der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit hält wie wir Bürger aus der unteren Mittelschicht.
Es wurde umsonst fünf bis sechs lange Jahre gekämpft, demonstriert, Autobahnen gesperrt und Flugblätter verteilt. Die ganzen Unterschriften, die für die Verfassungsklage gesammelt wurden, könnten nun wertlos sein. Falls die zukünftige Landesregierung die Studiengebühren wieder einführen wollen, geht der ganze “Klatteradatsch” von vorne los. Wir können nur hoffen, dass die FDP weiterhin an ihre Entlastung der Bürger festhält, denn somit dürften die Studiengebühren vorerst nicht zur Debatte stehen. Ich selber studiere nicht in Hessen, war aber noch bei der Einführung der Studiengebühren in Wiesbaden eingeschrieben. Damals habe ich mich auch an diversen Aktionen beteiligt und gegen die Bildungsarmut demonstriert.
Es ist eine klare Sache die jedem bewusst ist. Studiengebühren bestärken das Deutsche elitäre System. Während bereits nach dem vierten Schuljahr die Elite ausgesiebt wird, und die die auf der Strecke bleiben über Umwege zu ihrem Ziel kommen müssen, bleibt den Kindern armer Eltern nur die Option mit etlichen Jahren mehr zu einem Abschluss zu kommen, der sie in der heutigen Zeit ernähren kann. Aber wie auch? Während die Deutschen weiter an diesem maroden Bildungssystem festhalten, bleiben viele Jugendliche auf der Strecke, denen das alles mittlerweile auf gut Deutsch scheiß egal ist.
Wer das Gymnasium abschaffen will, wird abgewählt, wie Wilfried Bos, Leiter der Iglu-Tests, im Gespräch mit dem Spiegel richtig erkannt hat. Er hält das deutsche Schulsystem für antiquiert und ungerecht. Er weist auch darauf hin, dass Reformer sich bei der Absicht das Gymnasium abzuschaffen, die Zähne ausbeißen werden. Er sagt auch, dass Professoren zum Beispiel immer einen Weg finden werden, ihren Kindern zum Abitur zu verhelfen. Im Grunde kann hier, und nicht nur in Bezug zu Bildung, von Mafia gesprochen werden. Es handelt sich oft eindeutig um Vetternwirtschaft, die in anderen Ländern nun mal so verächtlich genannt wird.
Aber sie war und ist in unserem Land allgegenwärtig. Was zählt sind Beziehungen, was oft als Vitamin B bezeichnet wird. Vitamin B sind in allen möglichen Bereichen zu finden. Sei es ein Jugendlicher, der verprügelt wird und zufällig der Sohn eines Gymnasiallehrers ist, der wiederum den Jugendrichter des Ortes kennt und deswegen ein Verfahren trotz keiner Indizien drei Jahre laufen lässt. Was bei einem Jugendlichen aus nicht sehr wohlhabendem Elternhaus niemals möglich wäre. Bei so einem “armen Schwein” würde das Verfahren, wenn es zu keinen eindeutigen Ergebnissen kommt, nach drei Monaten eingestellt werden.
Die untere Mittelschicht lebt in einer gewissen Ungerechtigkeit und Politiker und Staatsmänner sollten sich bewusst machen, dass das irgendwann auch zu einem Punkt führen könnte, an dem Jugendliche genauso wie Frankreich auf die Straßen gehen und einfach mal die dicken Benz, BMWs usw. anzünden und Mollis schmeißen. Viel Spaß sage ich da nur.
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Die Sieger der Hessischen Landtagswahl. Links Jörg-Uwe Hahn, Fraktionsvorsitzender der Hessen-FDP. (Foto: DDP)




