Stille Wasser Bandprojekt - Angriff auf “3 Tage Tape”?

9 07 2009

Es ist immer wieder amüsant mitzubekommen, was in meiner schönen Heimatstadt Limburg so vom Stapel gelassen wird. Sind nicht gerade erst die Tage der üblen Nachreden langsam verblasst, stehen wir wieder im Focus von Ahnungen, Vermutungen und Spekulationen. Man könnte meinen, wir wären Pokerspieler auf dem großen Parkett der Finanzwelt. Vor allem die bösen Spieler am Tisch.

Heißt es doch seit Neustem, dass unser Plan eine Liveband auf die Beine zu stellen ein Angriff auf das Bandprojekt “3 Tage Tape” sei. Als mir dies zu Ohren gekommen ist, konnte ich lediglich schmunzeln und habe wieder aufs Neue bestätigt bekommen, wie langeweilig unsere kleine mickrige Kleinstadt sein muss, dass Menschen solchen Nonsens in Umlauf bringen. Habt ihr nichts besseres zu tun? Also um die Sache mal klar zu stellen. Die Idee, dass Stille Wasser mit Liveband auf die Bühne möchten, existiert seit etwa eineinhalb Jahre. Damals wurden übrigens auch “Art is Cream” gefragt, ob da Interesse besteht. Die Idee einer New-Metal-Band ist nach wie vor aktuell.

Es scheint so, dass uns nachgesagt werde, wir wären unglaublich sauer auf die erfolgreiche Kombo aus unserer Umgebung. Nun um ehrlich zu sein besteht unsererseits weder Neid noch irgendein Konkurrenzverhalten. Es ist schön für “3 Tage Tape”, dass sie bei “Emergenza” so weit gekommen sind. Es ist eher schockierend, dass man - obwohl man gar nicht in Limburg ist und sich auch überhaupt gar NICHT mit dem Thema beschäftigt - dauernd Gesprächsthema ist. Wie Samy es zu sagen pflegt: “Ihr Leute redet nur Scheiß und dreht euch im Kreis”. Die Aussage ist hier in diesem Zusammenhang sehr zutreffend.

Es gab für uns einen schweren Bruch mit unserem DJ, der wegen “3 Tage Tape” bei uns aufgehört hatte. Davon waren wir natürlich nicht begeistert. Es war aber seine Entscheidung, die wir ihm auch offen gelassen haben. Das Thema ist vom Tisch. Um so verwunderlicher ist es, dass es in dem Zusammenhang immer neue Gerüchte gibt. Wo die herkommen mögen, interessiert uns recht wenig. Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit und nicht auf die Taten anderer. Wir haben keinerlei Probleme mit anderen Bands. Wir haben auch keine Lust auf irgendwelche Kleinkriege.

Was mit der Band “Fortune Cookies” passiert ist, ist eine interne Sache, die noch nicht mal die meisten von Stille Wasser etwas angeht. Die beteiligten haben kommuniziert und der Sachverhalt geht auch nur die beteiligten Personen etwas an. Spekulationen darüber, wer im Hintergrund dies oder das tut, sind überflüssig. Wir als Band behandeln das sensible Thema sachlich und reden keinem rein oder versuchen irgend jemanden etwas schlechtes nachzusagen. Das ist nicht unsere Art und auf das Niveau möchten wir uns jetzt und in Zukunft auch nicht begeben. Das wird ja bereits von mir Unbekannten übernommen. Also nur zu und viel Spaß beim erdenken und erfinden von Limburger Kleinstadt Geschichten. :)



Solidarity – wer, wenn nicht wir?

20 02 2009

Logo der DGB-Jugend WestEs ist wieder soweit. Die Gewerkschaftsjugend des DGB-West gibt allen Interessierten die Möglichkeit, Gewerkschaften und ihre Themen kennen zu lernen. Beim Seminar “Solidarity - wer, wenn nicht wir?”, vom dritten bis zum fünften April, können die Teilnehmer einen Einblick in die Gewerkschaftsarbeit gewinnen.

Dabei werden Themen besprochen wie beispielsweise was Gewerkschaften sind, was sie machen sowie wirtschaftliche Grundlagen. Im Mittelpunkt steht dabei die Arbeitsbeziehung zwischen Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber/innen, Interessendurchsetzung durch Solidarität der Beschäftigung, Rechte von Azubis, Studierenden und Beschäftigten und Mitbestimmung der Auszubildendenvertretung. Vermittelt wird vor allem wie jeder aktiv werden kann und sich solidarisch engagieren kann.

Jeder kann sich bis zum 19. März bei der DGB-Jugend West anmelden. Für Gewerkschaftsmitglieder ist das Seminar kostenfrei, für Nichtgewerkschafter wird ein Teilnahmebetrag von 25 Euro fällig. In dem Preis sind Verpflegung und Unterkunft mit inbegriffen. Das Seminar findet im Jugendgästehaus der Stadt Bad Kreuznach statt. Weitere Informationen sind auf der Website der DGB-Jugend West zu finden.



Verdammt - jetzt geht das von vorne los

19 01 2009

Liebe Hessischen Studienkollegen. Es ist wirklich schade, dass sich unser schönes Bundesland nun weitere fünf Jahre mit einem Ministerpräsident rumschlagen muss, der ganz schön weit rechts sitzt und dazu noch den Armen das Leben erschwert. Waren wir doch alle sehr froh, dass es wenigstens in Hessen mit der Abschaffung der Studiengebühren geklappt hatte. Das zwar nicht unmittelbar über die Verfassungsklage, aber durch eine Mehrheit im Landtag, die anscheinend genauso wenig von der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit hält wie wir Bürger aus der unteren Mittelschicht.

Es wurde umsonst fünf bis sechs lange Jahre gekämpft, demonstriert, Autobahnen gesperrt und Flugblätter verteilt. Die ganzen Unterschriften, die für die Verfassungsklage gesammelt wurden, könnten nun wertlos sein. Falls die zukünftige Landesregierung die Studiengebühren wieder einführen wollen, geht der ganze “Klatteradatsch” von vorne los. Wir können nur hoffen, dass die FDP weiterhin an ihre Entlastung der Bürger festhält, denn somit dürften die Studiengebühren vorerst nicht zur Debatte stehen. Ich selber studiere nicht in Hessen, war aber noch bei der Einführung der Studiengebühren in Wiesbaden eingeschrieben. Damals habe ich mich auch an diversen Aktionen beteiligt und gegen die Bildungsarmut demonstriert. 

Es ist eine klare Sache die jedem bewusst ist. Studiengebühren bestärken das Deutsche elitäre System. Während bereits nach dem vierten Schuljahr die Elite ausgesiebt wird, und die die auf der Strecke bleiben über Umwege zu ihrem Ziel kommen müssen, bleibt den Kindern armer Eltern nur die Option mit etlichen Jahren mehr zu einem Abschluss zu kommen, der sie in der heutigen Zeit ernähren kann. Aber wie auch? Während die Deutschen weiter an diesem maroden Bildungssystem festhalten, bleiben viele Jugendliche auf der Strecke, denen das alles mittlerweile auf gut Deutsch scheiß egal ist.

Wer das Gymnasium abschaffen will, wird abgewählt, wie Wilfried Bos, Leiter der Iglu-Tests, im Gespräch mit dem Spiegel richtig erkannt hat. Er hält das deutsche Schulsystem für antiquiert und ungerecht. Er weist auch darauf hin, dass Reformer sich bei der Absicht das Gymnasium abzuschaffen, die Zähne ausbeißen werden. Er sagt auch, dass Professoren zum Beispiel immer einen Weg finden werden, ihren Kindern zum Abitur zu verhelfen. Im Grunde kann hier, und nicht nur in Bezug zu Bildung, von Mafia gesprochen werden. Es handelt sich oft eindeutig um Vetternwirtschaft, die in anderen Ländern nun mal so verächtlich genannt wird.

Aber sie war und ist in unserem Land allgegenwärtig. Was zählt sind Beziehungen, was oft als Vitamin B bezeichnet wird. Vitamin B sind in allen möglichen Bereichen zu finden. Sei es ein Jugendlicher, der verprügelt wird und zufällig der Sohn eines Gymnasiallehrers ist, der wiederum den Jugendrichter des Ortes kennt und deswegen ein Verfahren trotz keiner Indizien drei Jahre laufen lässt. Was bei einem Jugendlichen aus nicht sehr wohlhabendem Elternhaus niemals möglich wäre. Bei so einem “armen Schwein” würde das Verfahren, wenn es zu keinen eindeutigen Ergebnissen kommt, nach drei Monaten eingestellt werden. 

Die untere Mittelschicht lebt in einer gewissen Ungerechtigkeit und Politiker und Staatsmänner sollten sich bewusst machen, dass das irgendwann auch zu einem Punkt führen könnte, an dem Jugendliche genauso wie Frankreich auf die Straßen gehen und einfach mal die dicken Benz, BMWs usw. anzünden und Mollis schmeißen. Viel Spaß sage ich da nur.

 



Limburg wählt schwarz

18 01 2009

Die Einwohner unserer schönen Domstadt haben dazu beigetragen, dass wir in Hessen weitere fünf Jahre Roland Koch erdulden müssen. Hatten sich doch schon viele Bürger, vor allem Studenten, in den vergangenen zwölf Monaten darüber gefreut, den Studiengebühren einführenden und Migrantenkinder beschimpfenden Ministerpräsidenten endlich los zu sein. Aber nein! Dank Frau Ypsilanti und ihren so tollen Fraktionsmitgliedern bleibt alles beim Alten. Aber das Hessische Volk hat sich heute nun mal so entschieden. 

Die CDU wurde deutlich durch unseren Landkreis bestätigt. Helmut Peuser (CDU) bekam mit 52,12 Prozent sein Direktmandat. Insgesamt bekam die CDU in unserem Landkreis 48,10 Prozent. Die SPD kam auf sage und schreibe schlappe 17,6, die Grünen bekamen 8,5, die Linke 4,3 Prozent und die Liberalen, die großen Gewinner dieser Landtagswahl, erhielten 17,33 Prozent. (Quelle: Spiegel.de)

Die SPD versinkt dabei im Trümmerfeld, das sie selber verursacht hat. Nach dem die SPD auf Bundesebene, während der Abwesenheit von Franz Müntefering, ständig für Negativschlagzeilen gesorgt hatte und innerparteilich zerissen war, hat die Hessen-SPD den Zustand der Partei weiter am Leben gehalten. Nach der Rückkehr von Münte schien sich doch alles zu beruhigen. Dass aber auch nur auf Bundesebene, denn in Hessen gingen die innerparteilichen Querelen erst richtig los.

Das Ergebnis der zwei gescheiterten Machtergreifungen durch die ehemalige Fraktions- und Landesvorsitzende Ypsilanti sind grundlegend Schuld an dem Desaster. Der innerparteilich Wortbruch Ypsilantis ist von fundamentaler Bedeutung. Dafür musste Ypsilanti heute ihre Koffer packen. Kurz nach der ersten Hochrechnung gab sie ihren Rücktritt bekannt.

Großer gewinner dieser Landtagswahl ist die FDP unter der Führung von Jörg-Uwe Hahn. Er hatte sich im vergangen Jahr vehement gegen eine Ampelkoalition gewährt. Das heutige Wahlergebnis bestätigt die Haltung der FDP. Was uns die ganze Geschichte zeigt? Wahlversprechen sollten nicht gebrochen werden. Nun hat die Hessen-SPD die Resonanz des verärgerten Wähler zu spüren bekommen. Wie und warum es dazu gekommen ist, werden wir diese Woche hier auf dem Blog erörtern. 

Die Sieger der Hessischen Landtagswahl. Links Jörg-Uwe Hahn, Fraktionsvorsitzender der Hessen-FDP.Die Sieger der Hessischen Landtagswahl. Links Jörg-Uwe Hahn, Fraktionsvorsitzender der Hessen-FDP. (Foto: DDP)

 



Stolz darauf Deutscher zu sein – Bestandsaufnahme eines neuen Nationalgefühls

23 10 2008

Von Luís Palma Matos 

Seit Tagen ist die Euphorie auf den Straßen Deutscher Städte zu spüren. Die Deutsche “Elf” landet einen Sieg nach dem anderen und hat erst den Favoriten Portugal im Viertelfinale geschlagen. Die Straßen versinken in einem Meer von Flaggen und man mag glauben, dass die WM vor zwei Jahren gar kein Ende fand. “Heute ist das Halbfinale gegen die ‘Last-Minute-Türken’”, sagt Thomas, während er sich sein vor zwei Jahren erworbenes Deutschland-Trikot überzieht und seine Flagge in den Deutschen Nationalfarben einpackt. Er möchte sich das Spiel in der Kölner Innenstadt anschauen und hofft noch einen Platz zu ergattern. 

Thomas ist weiß Gott kein typischer Fußballfan, sondern eher ein sporadischer Begeisterter, der nur zu den großen Ereignissen seine Flagge einpackt. “Ab und zu schaue ich noch die Champions-League, weil das meistens packende Spiele sind.” Er macht sich auf den Weg in seine “Stammlocation”, wo er schon die bisherigen Spiele der Deutschen Nationalelf verfolgt hat. Er muss sich beeilen, denn oft sind die guten Plätze schon recht früh besetzt. Auf den Straßen tummeln sich gleichgesinnte mit geschminkten Gesichtern, die ebenfalls auf dem Weg zu ihren Kneipen sind, wo sie mit ihren Freunden und Bekannten das Spiel schauen möchten. Im Falle eines Sieges soll natürlich wieder gefeiert werden, und die Stadt soll in den Farben Schwarz-Rot-Gold versinken. 

Aber ist durch die WM 2006 wirklich ein neues Nationalgefühl in Deutschland entstanden? Oder ist es eine periodische Erscheinung, die sich nun zu den großen Fußballereignissen etabliert und nur zum feiern dient? Bedenkt man, dass die Deutschen ein Volk sind, die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sehr mit ihrer Vergangenheit gehadert haben, sind die Ereignisse während der Weltmeisterschaft regelrecht ein Erleichterung gewesen, im Konflikt mit der eigenen Identität und dem eigenen Zugehörigkeitsgefühl. Dabei können Deutsche durchaus stolz sein auf ihre Herkunft, solange sie sich den großen Denkern verbunden fühlen und sich vom Nationalismus abwenden. 

Viele sprechen momentan von einem neuen Patriotismus oder Nationalgefühl. Laut einer Forsa-Umfrage vom 11. Juni, in der 1003 Deutsche befragt wurden,  finden es 66 Prozent der Befragten gut, dass Deutsche wieder Flagge zeigen. Ist es aber wirklich nur die Vaterlandsliebe, die Fußballbegeisterte auf die Straßen treibt? Natürlich gibt es eine Vielzahl von Deutschen Bürgern, die keinerlei Vorurteile gegenüber andere Nationalitäten hegen und diese auch schätzen. Aber genauso gibt es diejenigen, die über andere Nationen spötteln und sich somit vielleicht unbewusst über ausländische Mitbürger erheben. 

Thomas macht sich nach einem gelungenen Sieg gegen die “Last-Minute-Türken” und einem treibenden Fußmarsch im Fahnenmeer auf den Weg nach hause. In der Straßenbahn bekommt er mit, wie angetrunkene Deutsche Fans türkische Mitbürger angreifen und beschimpfen. Sie stehen an der Tür und diskutieren mit den drei türkischen Mädchen, die etwas eingeschüchtert sind. Ist das der Patriotismus, den wir hierzulande erleben möchten? Thomas ist jedenfalls enttäuscht, solche Landsleute zu haben, die sich chauvinistisch verhalten. Er ärgert sich zugleich, wegen solch einem Schwachsinn wie Nationalstolz nicht heimfahren zu können, weil der Angetrunken im Deutschland-Trikot zwischen Tür und Angel sich nicht zusammenreißen kann. Was ihm ebenfalls auffällt ist, dass nur Ausländer in der Bahn die Deutschen Fans ermahnen und die Situation ins lächerliche ziehen. Eine frustrierende Angelegenheit. 

Dabei sollte jeder begreifen, dass gerade der Fußball ein Kampf der Fans ist. Was in den Ligen Europas zwischen den Fans der Vereine geschieht, passiert im Falle einer WM oder EM auf nationaler Ebene. Also ist es auch nicht verwunderlich, wenn Fans sich gegenseitig anpöbeln oder ein animalisches Verhalten an den Tag legen. Es sollte vorsichtig mit dem gefeierten neuen Patriotismus umgegangen werden, denn “die Zahlen rechtsradikaler Übergriffe sind in den vergangenen zwei Jahren wieder gestiegen”, so Julia Kaffai vom Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC). Der NDC fährt im Auftrag der DGB-Jugend West in Schulen und betreibt dort Aufklärung, um präventiv auf die Entwicklung junger Menschen einzuwirken. Dabei fällt auf, dass die Einstellung vieler Jugendlicher gegenüber anderen Nationalitäten radikaler geworden sind. Häufig fehlt die Aufklärung im Elternhaus, oder die Meinung wird sogar durch die Eltern forciert. Eine nicht all zu schöne Entwicklung. 

Es ist auf jeden Fall festzustellen, dass eine regelrechte “Eventomanie” seit der WM 2006 ausgebrochen ist, die bis dato anhält, sagt der Psychologe Stephan Grünewald in einem Interview mit Tagesschau.de. Es wird in dem Zusammenhang auch von einem Partyotismus gesprochen. Das fördert zwar das Gemeinschaftsgefühl, aber wohl auch nur für die Zeit einer solchen Veranstaltung. Ist der Event vorbei verfallen die Menschen wieder dem alltäglichen Trott und giften sich zum Beispiel im Straßenverkehr wie gewohnt an. Nichtsdestotrotz ist der Stolz der Deutschen in den vergangenen neun Jahren von 63 auf 70 Prozent gestiegen. Das zeigt eine neue Emanzipation unter jungen Deutschen, die laut dem “Patriotismus-Forscher” Kronenberg in einer “stabilen Demokratie mit ihren Vorzügen und Freiheiten” groß geworden sind und diese “tief verinnerlicht” haben. 

Trotzdem bleibt eine Fußball-Weltmeisterschaft ein Wettkampf der Nationen. Und so werden sich in Zukunft bei solchen Events Fans verschiedener Nationalitäten, wie vor zwei Jahren in der Limburger Innenstadt, gegenüber stehen und sich mit Flaschen, Dosen und sonstigen Utensilien bewerfen. Die Italiener hatten die Deutschen gerade im Halbfinale besiegt und Deutsche aufgebrachte Fans konnten die gewohnte überschwängliche Feierei der Italiener nicht vertragen. Und so wurden Sprüche wie “scheiß Spaghettifresser” oder “scheiß Itaker” laut. So viel zum neuen Deutschen Patriotismus und Nationalgefühl, der dann doch immer mal nationalistische Grundzüge erreicht.



Deutscher Rap braucht einen Richtungswechsel

3 08 2008

Die Deutsche Rapszene ist zurzeit verrufen und wird von den meisten Deutschen geächtet. Grund dafür ist das fortwährende Gangstergehabe der Szene, das in der Bevölkerung nicht gut ankommt. Wer Rap hört muss sich mittlerweile dafür rechtfertigen und erklären, was er an der Musik gut findet.

Vor allem in Deutschland sind wir weit davon entfernt, mit einer harten Realität auf der Straße konfrontiert zu werden. Diese harte Realität existiert nämlich nicht. Die Gangsterallüren, die wir aus der Amerikanischen Rapszene kennen, werden aus deren Texten übernommen und auf Deutschland übertragen. Das führt dazu, dass Jugendliche in unseren Breitengraden wirklich glauben diesen Lifestyle ausleben zu müssen. Es ist eine Subkultur aus gewaltverherrlichenden Texten entstanden, die junge Menschen mittlerweile in die Tat umsetzen. Bisher hat kein Rapper den Mut gehabt die Szene aufzurütteln und gegen diese negative Manipulation vorzugehen. Bis zum Mai diesen Jahres. Ein junger Rapper aus Braunschweig, F. R., hat die Courage die Wahrheit aufzuzeigen.

“Rap braucht Abi” ist sein neuer Track, womit er verdeutlicht, dass Deutscher Rap doch eher niveaulos und frauenverachtend ist. Solch ein Jargon ist zwar ein Bestandteil jeder Rapszene, jedoch sollte es nicht die Hauptbotschaft einer Musikrichtung sein. In seinem Song beschreibt F. R. das Problem der Szene in Deutschland und kritisiert diese gleichzeitig stilistisch sehr gut. Der Track könnte dazu beitragen, dass geflohene Fans wieder zurückfinden zu guter Rapmucke, wie wir sie von Creutzfeld & Jakob, den Beginnern oder Dynamite Deluxe kannten. Deutschland braucht keine Massivs, Irie Ds oder Bushidos. Meist sind es sowieso inszenierte Szenarien und Hollywoodfilme, denen wirkliche Musikfans wenig glauben schenken. Jugendliche in unserem Land lassen sich trotzdem blenden und versuchen das gerappte nachzuahmen und auszuleben. Das die Jugendgewalt vielerorts zugenommen hat, ist aus den Statistiken zu ersehen.

Bleibt zu hoffen, dass F. R.s Track viele jungen Menschen erreicht und sie gleichermaßen zum nachdenken anregt. Langjährige Rapfans sind nämlich “tired” von dem Bullshit, dessen Mainstream überwiegend aus gewaltverherrlichendem Müll besteht und für jeden mit gesundem Menschenverstand nicht realitätstreu erscheint. Auf Deutschlands Straßen werden keine Menschen täglich niedergeschossen. Genausowenig werden ständig Kioske beraubt. Noch nicht mal in South Central ist es heutzutage noch so. Der Schwarzengemeinde in den USA geht es besser denn je, auch wenn sie heute noch von Diskriminierung betroffen sind. Jedoch hat dort nach den harten Achzigern ein Umdenken stattgefunden und für mehr Ruhe in den betroffenen Gebieten, den sogenannten Gettos, gesorgt.

Das Video zum Track “Rap braucht Abi” von F. R.:



Achte Preisverleihung des Grimme Online Awards

10 07 2008
Logo Grimme Online Award

Eine Website muss viele Anforderungen erfüllen. Sie sollte für den User übersichtlich und einfach zu handhaben sein, gleichzeitig aber auch ausführlich und verständlich informieren. Auch die Anbindung von webspezifischen Angeboten und die Kommunikation mit dem Nutzer stehen im Vordergrund. Dies sind nur wenige von vielen Kriterien, die die Jury des Grimme Online Awards bei der Bewertung und der Preisvergabe für Webauftritte berücksichtigt.

Am 11. Juni 2008 war es wieder soweit. Sieben Websites aus den vier Kategorien “Information”, “Wissen und Bildung”, “Kultur und Unterhaltung” und der neuen Kategorie “Spezial” wurden bei der achten Preisverleihung mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Darunter sind Webangebote wie das Musikportal “Intro.de”, “Störungsmelder” und auch “Hobnox.com” zu finden. Letzteres wurde im Rahmen einer Recherche-Lehrveranstaltung vom zweiten Semester des Studiengangs “Online-Redakteur” zur Nominierung vorgeschlagen.

Die Auszeichnungen wurden im Rahmen des 20. Medienforums in der Kölner Vulkanhalle überreicht. Der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, eröffnete die Preisverleihung mit einer Rede, in der er auf die unterschiedlichen Tendenzen in der momentanen Entwicklungsphase des Internets hinwies. “Sie umfasse ein breites Spektrum der Möglichkeiten”, konstatierte er.

Für hohe “journalistische Qualitätsmaßstäbe” zeichnete die Jury die Seite “Störungsmelder” in der Kategorie “Information” aus. Weiterer Gewinner in dieser Kategorie ist die nachnominierte “WDR-Mediathek”, die “hervorragende Lösungsansätze biete, um den Nutzern mehrere Zugangswege zum Inhalt zu ebnen”.

Durch ein “überzeugendes inhaltliches Konzept“ konnte “Zeitzeugengeschichte.de” den Award in der Kategorie “Wissen und Bildung” gewinnen. Für viele Fragen von Jugendlichen hat die “Kids-hotline” eine Antwort und geht mit den Problemen der Kids streng vertraulich um. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass die Website, “die Vorteile des Mediums konsequent für eine Flexibilisierung des Beratungsangebots“ nutzt.

In der Kategorie “Kultur und Unterhaltung” bekam das Musikportal “Intro.de” die Auszeichnung vom Comedian Hennes Bender überreicht. Laut Jury sei es ein Portal, dass u.a. durch sein soziales Netzwerk überzeugt. Der “Literaturport” wurde ebenfalls von der Jury ausgezeichnet. Die Reichweite der Website sei zwar nur auf den Raum Berlin und Brandenburg beschränkt, jedoch hätte das Angebot nach Meinung der Jury “ein kleines, aber solides Inforamtionsangebot mit hohem Service-Wert”.

Die Gewinner Hobnox.com (von li. Andreas Jacobi, Alexander Gorny und Yousef Hammoudah) mit Sascha Lobo. Foto: Luís Palma Matos

Das von den Online-Redakteuren gelobte Web-TV-Angebot “Hobnox.com” konnte in der neuen Kategorie “Spezial” den Award abräumen, der von Sascha Lobo, Preisträger des Grimme Online Award 2006, überreicht wurde. Die Stärke der Website seien die Inhalte, “die eine erfreuliche Nischenfunktion offerieren und dem Nutzer direkt Werkzeuge zum Mitmachen zur Verfügung stellen”. Die Jury spricht von Unterhaltung und Information auf hohem Niveau. Alexander Gorny, Yousef Hammoudah und Andreas Jacobi von Hobnox bedankten sich im Gespräch für den Vorschlag zur einer Nominierung bei den “Online-Redakteuren”. “Wir freuen uns total und sind zugleich überrascht über die frühe Auszeichnung”. Sie seien in der Betaphase und hätten nicht mit dem Grimme Online Award gerechnet. Den Publikumspreis überreicht der Schauspieler Matthias Koeberlin. Dafür hatten User aus den 19 nominierten Websites gevotet und er ging an die Website von “Sandra Schadek”. Sandra Schadek widmet sich dort der tödlich verlaufende Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) – aus der Sicht einer Betroffenen.



Interaktionsgestaltung im Web 2.0: Mehr als Interface-Design

10 07 2008

Logo des MedienforumsDie einfache Bedienung einer Website im neuen Internet ist die Kernbedingung jeder Internetpräsenz, die sich den Stempel Web 2.0 aufdrückt. Viele User vermuten, dass ein schickes Design ausreichend ist. Wichtiger ist jedoch die Usability im Zusammenspiel mit dem Interface-Design, genauso wie die Technik die hinter dem Web 2.0 steckt. Doch was ist nun das Web 2.0? Robert Basic, von “Basic Thinking”, hat mit seinen Gästen versucht etwas Licht ins Dunkele zu bringen.

Im Mittelpunkt stand die einfachen Bedienung der Benutzeroberfläche, dem Interface. Dabei geht es nicht nur um die Gestaltung einer Web 2.0-Website, sondern auch die Web-Technik. Das Web 2.0 überschreitet die Grenzen des bisherigen Webs. Es verbindet Dienste, Nutzer können selber ohne großen Aufwand publizieren und Plattformen integrieren desktopähnliche Anwendungen.

Viel Neues konnten die Besucher bei der Diskussionsrunde nicht erfahren, die durch Robert Basic von “Basic Thinking” geführt wurde. Über das Diskutierte wird seit einigen Jahren auch in den Medien und unter Fachleuten gestritten. Volker Binder von der Deutschen Telekom stellte das neue Webkonzept des Konzerns vor und zeigte den Besuchern bei seiner Präsentation, was das Unternehmen aus dem “Massenmarkt” unter der Gestaltung einer Web 2.0-fähigen Website versteht. Dabei stand die Kombination der bisher nebeneinander existierenden Produkte, die nun zu einem Gesamtprodukt zusammenwachsen, im Mittelpunkt. Schwerpunkt der Interaktionsgestaltung sei die Vereinfachung und Integration von funktionalen Modulen wie zum Beispiel Mash-ups und deren Vernetzung untereinander. So kann ein User beispielsweise einfach Fotos aus dem Mediencenter seines Telekom-Accounts per Drag’n’Drop in ein mit Flickr geöffnetes Browserfenster ziehen. Das entspricht dem Verhalten einer Desktop-Anwendung.

Die Experten waren sich dabei einig, dass eine Website aus dem Web 2.0 einfach zu bedienen sein sollte, so dass der Nutzer intuitiv und mit einem guten “Klickflow” schnell und einfach zu einem gewünschten Ergebnis kommt. Ein aufwändiges und ausgefallenes Design sei schön und gut, so Hansjörg Zimmermann, Professor an der Macromedia Fachhochschule für Medien in München und Geschäftsführer der “Argonauten”, aber wenn der User bei der Navigation oder Nutzung Schwierigkeiten hätte, dann führe es zu nichts. Die Oberfläche solle “sinnlich” sein und der Nutzer solle erst gar nicht nachdenken müssen, wie er von A nach B kommt. Trotzdem solle das Interface gut aussehen und funktional sein. Für Robert Basic sei die neue Schnittstelle von Microsoft, “Surface”, eine wirkliche Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Für Klemens Dreesbach von Microsoft Deutschland bedeuten die Applikationen des Web 2.0 einen Mehrwert für den User: “Power to the people” sei die Devise. Jeder könne nun einfach über Blogtools seinen eigenen Content generieren. Das wäre zwar auch zu Zeiten des Web 1.0 gegangen, jedoch sei es damals für die meisten User mit wenig Know-How nicht einfach möglich gewesen. Nun seien aber die technischen Barrieren gebrochen worden.

Im Großen und Ganzen hat der Besucher dieses Panels nicht viel Neues erfahren können. Die Experten konnten selber nicht viel zu dem Thema sagen, weil Robert Basic das Publikum etwas übermäßig einbezogen hat, in dem er viel zu oft zwischen den Sitzreihen herum gelaufen ist und die Audience nach ihrer Meinung gefragt hat. Am Ende lobte er überschwänglich und unverhältnismäßig lange die Plattform “Twitter” als Musterbeispiel für eine Web 2.0-Anwendung. Nichtsdestotrotz wird es in Zukunft noch viele Diskussionen über Web 2.0 geben, weil die Techniken, die dahinter stecken, schon lange vor der neuen Bezeichnung existiert haben. Insofern kann von einer anderen Wahrnehmung des Webs gesprochen werden, das heutzutage wesentlich dynamischer und funktionaler ist.



Endlich - das Kalkwerk lädt zum Festival ein

4 06 2008

Es ist wieder mal soweit. Das Kalkwerk öffnet vom sechsten bis achten Juni zum 28. Mal seine Pforten für ein weiteres, aufregendes Festival. Das Programm ist wie jedes Jahr vielseitig und interessant. Es gibt, wie die vergangenen drei Jahre, eine Ausstellung in der Kunsthalle. Dort wird auch von der “No Dancers Company” mehrmals eine kleine Performance dargeboten. Das Varieté Freitagabend begeistert bereits jetzt schon auf dem Papier. Samstag und Sonntag spielen wie gewohnt die Kalkwerk-Bands und jeweils ein Topact. Für Kinderprogramm und reichlich Nahrungsmittel ist auch gesorgt. Neu und seit langem nicht mehr geschehen, findet der Abschluss des Festivals Sonntagabend mit einem Kalkwerk-Urgestein statt, der Band “Paris”. Darüber hinaus hat unser erster Vorsitzender, Klaus Schäfer, Sonntags um Mitternacht Geburtstag.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Die Stände stehen, die Aufbauten für die PA ebenfalls. Seit einigen Wochen kursieren die Programmhefte. Die Kunsthalle ist eingerichtet und auch in der Dorle-Schäfer-Halle werden die letzten Feinheiten erledigt. Die Besucher erwartet wieder ein aufregendes Festival, das am Freitag mit einem buntgemischten Varieté beginnt. Um 20 Uhr gehts los und wird von Sammy Tavalis, neben seiner eigenen Soloshow am Abend, moderiert. Diesmal beehrt auch ein ganz besonderer Gast den Varietéabend. Guillaume le Grand, der Begründer des Kalkwerk-Varietés, der sich selbst als “student of life” bezeichnet, ist seit 1975 Berufszauberer. Für den komödiantischen Part ist der Comedy Act “Herr Niels” zuständig, der an zufallenden Türen und zerrissenen Sakkos die Tücken des Objekts beweist. Für den nötigen Anteil an Comedy Akrobatik sorgen Jasper Herrmann und Thorsten Bohle als “Duo Unwucht”. Sie zeigen eine ungewöhnlich Partnerakrobatik-Darbietung auf technisch hohem Niveau, die zugleich urkomisch ist. “Der Thochsten”, ein tapsiger Kerl in blauer Latzhose, mit Wollmütze im Eierwärmer-Design, einem riesigen Schaffell um die Schultern und einer betörenden Fistelstimme bittet dann noch um milde Gaben, bevor er auf seinem Ölfass absolut verblüffende Kunststücke zeigt. Zum Abschluss gibt es Musik von der Cover-Band “Rock!t” aus dem Kalkwerk.

Am Samstag startet das Kalkwerk-Programm wie gewohnt um 13 Uhr mit den “Kalkwerk-Bands”. Als erstes spielt “Driven”, eine Hardrock-Band. Weiter gehts um zwei mit der Band “Autodidakt”, die ihre Spielzeit bei einem vom Kalkwerk organisierten vorangegangenen Bandcontest gewinnen konnten. Sie spielen “Melodic Punk-Rock”. Um 15 Uhr folgt dann “Virtous Dreams” mit experimentellem Rock. Danach gibts ein Trio, das auf 60’s Garage gebürstet ist. “The Beat Loosers” spielen eine halbe Stunde, bevor “Voodookong” um 16.30 Uhr, ebenfalls mit “Garage”, übernimmt. Daraufhin wird es etwas härter mit Trash- und Deathmetal von “Bloodspot”. Um 18 Uhr spielen dann “Ring of Fire”, die für 19 Uhr vorgesehen waren. Die Band spielt jedoch am gleichen Abend noch auf einer anderen Veranstaltung und hat von daher die Zeit mit dem “Stille Wasser Soundsystem” getauscht, die nun um sieben Uhr spielen. “Bughole” sorgt dann um 20 Uhr für groovenden Trashmetal, gefolgt von “Boiler” mit kultigem Rockstil. Um 22.30 Uhr ist es dann soweit mit dem Topact. Schottlands “Ska Band Nummer Eins”, “The Amphetameanies”, sorgen für tanzbare 80er “2-Tone-Musik” und verbinden diese mit dem unverwechselbaren Charakter der aktuellen Schottischen Indie Szene.

Am Sonntag folgt ebenfalls ein super Programm, das um 13 Uhr mit Post-Hardcore von “As Mentioned Below” beginnt. Um 14 Uhr geht es weiter mit Psychedelic, Funk und Jam von “Art is Cream”. Um 15 Uhr rockt die Trashmetal-Band “Publex”. Danach, um vier, spielen “Boom Boom Bang Gang” Blues, Funk und Soul. Kalkwerks zur Zeit bekannteste Band “Bubonix” spielen um 17 Uhr ihr neues Album, womit sie momentan auf Tour sind. Um 18 Uhr Hip-Hop von “Tempel”. Darauf haben “Irgendwie Anders” mit zynischem Deutschrock um 19 Uhr anschluss. “Dana.Plan” spielen um 20 Uhr. Highlight des Abends ist das “Antwerp Gipsy-Ska Orkestra”, die um 21.30 Uhr mit purer, rauer Energie authentische Roma-Gipsy-Melodien mit extrem tanzbaren Ska-Grooves verbinden und darbieten. Abschluss findet der musikalische Abend ab 23 Uhr mit der kultigen Kalkwerk-Band “Paris”, die mittlerweile ein “Kalkwerk-Fossil” ist.

Darüber hinaus kann während der Festivaltage die Ausstellung “Kalkwerker auf Reisen” besucht werden, in der Bilder von Urlaubsreisen von Kalkwerkern zu sehen sind. Wohlgemerkt handelt es sich hierbei aber nicht um gewöhnliche Urlaubsbilder, sondern um Bilder aus den äußersten Ecken unseres Planeten. Bilder die eher an Trekking-Urlaub erinnern oder an Abenteuergeschichten wie “Indiana Jones”. Die Tanzschule aus dem Kalkwerk, “No Dancers Company”, zeigt ebenfalls am Samstag und Sonntag jeweils um 14, 16 und 18 Uhr eine zwanzigminütige Aufführung zu verschiedenen aktuellen Pressetexten. Dies auch in der Ausstellungshalle. Für die Kleinen unter den Besuchern gibt es Samstag um 16 Uhr “Die Schatzkiste”. “Käpt’n Flintbackes” Piratenschiff ist in Not und wird von den gefährlichsten Piraten auf hoher See gejagt. Ein spannendes Piratenabenteuer für jung und alt. Sonntag um 16 Uhr ist dann “Der Drachenvulkan”, ein magisches Mitmachtheater mit Zaubersprüchen, wilden Rhythmen, zarten Gefühlen, einem neuen Drachenlied und einem Drachenbaby, das seine Mutter sucht, für die ganze Familie da.

Auf dem Gelände lassen sich noch viele Möglichkeiten zum Zeitvertreib finden. Zum Beispiel eine Hüpfburg, Spiel und Bastelstände, ein Schminkstand und Michas Phantasiothek, in der seine beliebten Spieleerfindungen zu sehen sind. Unser zweiter Vorsitzender, Michi Schmitt, zeigt jeweils am Samstag und am Sonntag ab 17 Uhr das Siebdruck-Verfahren, indem er T-Shirts für die Besucher druckt. Wie dem Programm zu entnehmen ist, wurde dieses Jahr besonders auf die Kalkwerk-Bands rücksicht genommen, die mehr Zeit als sonst im Programm einnehmen. Sonntagnacht, zum Ende des Festivals, gibt es noch etwas ganz besonderes zu feiern. Unser erster Vorsitzender Klaus Schäfer wird um Punkt zwölf 70 Jahre alt. Alle Besucher sind herzlich eingeladen, um Mitternacht mit allen Kalkwerkern die Ballons steigen zu lassen und mit unserem Vereinsvorstand auf den Geburtstag anszustoßen.



Das Böse lernt sich leicht, das Gute schwer.

30 05 2008

Wie nach einem Glockenschlag, gleich nach den beinahe abgeschlossenen Olympiavorbereitungen in China, haben die Proteste in Tibet begonnen. Man mag meinen, dass sich die Tibeter das Großereignis zur Aufmerksammachung der Chinesischen Besetzung zu Nutze machen. Dabei ist die Volksrepublik jenseits von Gut und Böse und hat in ihrer Geschichte bisher immer sehr wenig für Menschenrechte übrig gehabt. Nach den Protesten in Lhasa haben sich Demonstrationen wie ein Lauffeuer weltweit verbreitet. Der Olympische Fackellauf wurde an vielen Stationen von Demonstranten gestört und die jeweiligen Staatsgewalten mussten häufig gewaltsam eingreifen. Das die Proteste im Grunde sehr wenig bringen, sollte den aufgebrachten Demonstranten klar sein. China war seit der Machtergreifung der Maoisten nicht unbedingt ein Land, das die Belange der Menschen respektiert noch unterstützt hat.

Die fortwährenden Diskussionen über das besetzte Tibet erscheinen sinnlos. Die Weltbevölkerung müsste wissen, dass es die Chinesische Staatsführung recht herzlich wenig interessiert, was Bürger XY in Paris über deren Politik denkt. Die Demonstrationen erscheinen eher als Trostpflaster für die vergessenen Tibeter. Deren Land ist bereits seit 1958 von China besetzt. Es ist natürlich erfreulich, dass sich die Weltöffentlichkeit offensichtlich sehr für das Leid des Mönchsstaats interessiert. Genauso ist es positiv zu bewerten, dass auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam gemacht wird. Aber im Falle von China ist Hopfen und Malz verloren, solange auch Global-Player wie Google sich den menschenrechtsverletzenden Vorschriften der Volksrepublik beugen. “Das Reich der Mitte” ist zu einer eigenständigen Lobby des Westens geworden. Mittlerweile hat sie sehr großen Einfluss auf die Entscheidungen westlicher Unternehmen sowie deren Staatsführer. Da braucht die Volksrepublik nur mal kurz mit der Kappung der Geschäftsbeziehungen zu drohen, und schon kuschen unsere Staatsoberhäupter. Die globale Welt ist abhängig geworden von dem Großimporteur und wichtigen Wirtschaftspartner aus dem fernen Osten.

Die Olympischen-Spiele sollten als Chance gesehen werden für den Einzug westlicher Werte im Kommunistischen Staat. Nicht das es zwanghaft so sein sollte, aber vielleicht ist das ein weiterer Schritt Chinas in Richtung Humanität. Es ist eine klare Sache, dass China ein Land ist, dass sich nur langsam öffnen und ändern kann. Das zeigt auch die Bekanntmachung von Amnesty International, die in Bezug auf die Menschenrechte über eine Verschlechterung der Lage spricht. Solch ein eingefahrenes und marodes System kann nicht von einem Tag auf den anderen neu konstituiert werden. Die Aufstände in Lhasa dürfen natürlich nicht einfach übersehen werden. Es ist das gute Recht der Menschen dort genau jetzt zu demonstrieren, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Aber wahrscheinlich hätten sie das Ohr der Welt auch zu jedem anderen Zeitpunkt gehabt. Trotzdem handelt es sich hier um den Aufschrei eines vergessenen Landes. Eines Landes, das sich 1950 zum Teil durch Eigenverschulden in diese Lage gebracht hat. Ein Land im unzugänglichen Himalaja, von dem bereits Roosevelt sagte, es sei nicht zu verteidigen. Ein Land, welches für Mao immer eine noch zu befreiende Provinz war.

Es war ein ungleicher Kampf. Während die 80.000-Mann starken Chinesischen Truppen 1950 unter der Führung des einäugigen Generals Lin Po-tscheng ihre Zelte auf Tibetischem Boden aufschlugen, hatten die Tibeter gerade einmal 50.000 sehr schlecht bewaffnete Männer. Darüber hinaus schlossen sich 20.000 Tibeter den Chinesischen Truppen an, um gegen die Indien zugetanen Landsleute zu kämpfen. Hintergrund für die Parteiergreifung der Tibeter waren zwei vorangegangene Orakel, die den Mönchen großes Unheil voraussagten. Darauf hin wurde eine Gruppe von Sondergesandten in den Westen geschickt, um Unterstützung zu erbitten. Die westlichen Großmächte verweigerten ihre Hilfe, weil das Land im Himalaja unzugänglich und fast völlig von der Außenwelt abgeschottet ist. Daraufhin ersuchten die Abgesandten Hilfe in Indien. Eine andere Gruppe hatte das Interesse, Gespräche mit der neuen Führung in China aufzunehmen. Und so war die Besetzung durch China nach der kurzen 37-jährigen Unabhängigkeit Tibets nicht mehr aufzuhalten. Inder, Briten (die Anfang des zwanzigen Jahrhunderts in Tibet interveniert hatten) und die restliche Welt schauten zu. Für Indien und China war Tibet sowieso nur ein Puffer in ihren Handelsbeziehungen.

Dem Verlauf der Geschichte ist zu entnehmen, dass Tibet schon selbst einen Teil der Verantwortung für die Besetzung übernehmen muss. Schade jedoch, dass sie zu jener Zeit keine Hilfe von den Großmächten erwarten konnten. Das hätte aber damals zu einem weiteren fundamentalen Krieg führen können und alle Armeen der Welt waren geschwächt. Die Welt war erschöpft vom Krieg, auch wenn die Siegermächte des zweiten Weltkriegs durchaus zu einer Intervention fähig gewesen wären. Jedoch leben wir nun in einer anderen Zeit. In einer Zeit der Globalisierung. In einer Zeit, in der Wirtschaftsbeziehungen wichtiger sind als Menschenrechte.

In der Tat ist es unsinnig über Olympiaboykott zu sprechen, weil uns die Geschichte zeigt, dass dies niemandem hilft. Der Kalte Krieg wurde nach den Boykotten 1980 durch den Westen, nach dem Einmarsch von Sowjetischen Truppen in Afghanistan, und 1984 durch den Osten nicht beendet. Damit wurden nur die Sportler beschnitten, die äußerst unglücklich waren über den Umstand, an den doch so bedeutenden Spielen nicht teilnehmen zu können. Natürlich ist es offensichtlich, dass sich die Chinesen den olympischen Gedanken zu Nutze machen. Aber der wurde auch 1936 in Berlin nationalsozialistisch instrumentalisiert.

Jede Regierung würde versuchen, aus dem Großereignis Kapital zu schlagen. Tibet hätte wesentlich früher und dauerhaft für eine Befreiung einstehen sollen, damit der Sachverhalt bei der Weltöffentlichkeit nicht in Vergessenheit gerät. Die plötzlichen Aufstände weltweit helfen für den Moment recht wenig, nachdem die “halbe Welt” in die monströse Veranstaltung investiert hat. Vor allem handelt es sich um Sport, der nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden sollte. Vor allem sollte sich der Westen, von dem Asiatische Völker sowieso ein recht schlechtes Bild haben, aus der Angelegenheit raushalten.

Wie auch Altkanzler Helmut Schmidt (89) auf die Frage von Sandra Maischberger zu “humanitären Intervention” des Westen richtig entgegnete: ”Man solle sich nicht in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen!”. Er hätte weder den Dalai Lama, noch, wie Angela Merkel in China, Menschenrechte angesprochen. Europa hätte seinerzeit ebenfalls Gräueltaten begangen. Eine Einmischung seitens westlicher Staaten erscheint oft als Anmaßung, “als ob wir alles besser wüssten”. In Zeiten, in denen auch Länder wie die Vereinigten Staaten mit Berufung auf die “Terroristische Gefahr” Menschenrechte verletzen, wird deutlich, dass die UN-Menschenrechtsdeklaration lediglich eine Absichtserklärung ist und für kein Land der Welt bindend. Des weiteren ist es eindeutig, dass die Demokratie aus kulturellen Gründen wohl nicht die richtige Regierungsform ist für asiatische Länder.

In Bezug auf das Begehren vieler Demonstranten, die Olympischen Spiele in China zu boykottieren, kann nur darauf verwiesen werden, dass das jeder Sportler für sich selbst entscheiden muss. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass ein Olympiaboykott auf Staatsebene zu nichts führt. Natürlich haben Sportler auch eine politische Verantwortung, jedoch ist Politik nicht ihr Metier. Helmut Schmidt war 1980 auch gegen ein Olympiaboykott. Aber aufgrund des Drucks aus den USA verkündete er im Bundestag genau das Gegenteil. Damals lag es aber vor allem am Kalten Krieg und an den auf die BRD gerichteten Raketen.

Es stellt sich nun die Frage, ob es in Ordnung ist, einen geistlichen Führer wie den Dalai Lama aufgrund der Umstände nicht zu empfangen. Schließlich ist er ein Religionsführer. Er spielt zwar auch politisch eine Rolle, aber trotzdem sollte er nicht unbedingt aus Rücksichtsgründen gegenüber China gemieden werden. Während Papst Benedikt XVI vor der UNO-Vollversammlung spricht und in der Türkei von islamischen Religionsführern empfangen wird, wird der Dalai Lama in Deutschland von den hochrangigen Politikern aus Rücksicht auf China, wovon wir nach Meinung von Kurt Beck mehr nehmen sollten, abgewiesen. Solange aber westliche Wirtschaftsinteressen stärker sind als das Interesse an den Menschenrechten in China, wird sich an der Humanitären Lage in der Volksrepublik und in den annektierten Provinzen nichts ändern. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich China weiterhin nach und nach dem Westen öffnet und somit auch die “Human Rights” Einzug in die Volksrepublik halten.