Achte Preisverleihung des Grimme Online Awards

10 07 2008
Logo Grimme Online Award

Eine Website muss viele Anforderungen erfüllen. Sie sollte für den User übersichtlich und einfach zu handhaben sein, gleichzeitig aber auch ausführlich und verständlich informieren. Auch die Anbindung von webspezifischen Angeboten und die Kommunikation mit dem Nutzer stehen im Vordergrund. Dies sind nur wenige von vielen Kriterien, die die Jury des Grimme Online Awards bei der Bewertung und der Preisvergabe für Webauftritte berücksichtigt.

Am 11. Juni 2008 war es wieder soweit. Sieben Websites aus den vier Kategorien “Information”, “Wissen und Bildung”, “Kultur und Unterhaltung” und der neuen Kategorie “Spezial” wurden bei der achten Preisverleihung mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Darunter sind Webangebote wie das Musikportal “Intro.de”, “Störungsmelder” und auch “Hobnox.com” zu finden. Letzteres wurde im Rahmen einer Recherche-Lehrveranstaltung vom zweiten Semester des Studiengangs “Online-Redakteur” zur Nominierung vorgeschlagen.

Die Auszeichnungen wurden im Rahmen des 20. Medienforums in der Kölner Vulkanhalle überreicht. Der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, eröffnete die Preisverleihung mit einer Rede, in der er auf die unterschiedlichen Tendenzen in der momentanen Entwicklungsphase des Internets hinwies. “Sie umfasse ein breites Spektrum der Möglichkeiten”, konstatierte er.

Für hohe “journalistische Qualitätsmaßstäbe” zeichnete die Jury die Seite “Störungsmelder” in der Kategorie “Information” aus. Weiterer Gewinner in dieser Kategorie ist die nachnominierte “WDR-Mediathek”, die “hervorragende Lösungsansätze biete, um den Nutzern mehrere Zugangswege zum Inhalt zu ebnen”.

Durch ein “überzeugendes inhaltliches Konzept“ konnte “Zeitzeugengeschichte.de” den Award in der Kategorie “Wissen und Bildung” gewinnen. Für viele Fragen von Jugendlichen hat die “Kids-hotline” eine Antwort und geht mit den Problemen der Kids streng vertraulich um. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass die Website, “die Vorteile des Mediums konsequent für eine Flexibilisierung des Beratungsangebots“ nutzt.

In der Kategorie “Kultur und Unterhaltung” bekam das Musikportal “Intro.de” die Auszeichnung vom Comedian Hennes Bender überreicht. Laut Jury sei es ein Portal, dass u.a. durch sein soziales Netzwerk überzeugt. Der “Literaturport” wurde ebenfalls von der Jury ausgezeichnet. Die Reichweite der Website sei zwar nur auf den Raum Berlin und Brandenburg beschränkt, jedoch hätte das Angebot nach Meinung der Jury “ein kleines, aber solides Inforamtionsangebot mit hohem Service-Wert”.

Die Gewinner Hobnox.com (von li. Andreas Jacobi, Alexander Gorny und Yousef Hammoudah) mit Sascha Lobo. Foto: Luís Palma Matos

Das von den Online-Redakteuren gelobte Web-TV-Angebot “Hobnox.com” konnte in der neuen Kategorie “Spezial” den Award abräumen, der von Sascha Lobo, Preisträger des Grimme Online Award 2006, überreicht wurde. Die Stärke der Website seien die Inhalte, “die eine erfreuliche Nischenfunktion offerieren und dem Nutzer direkt Werkzeuge zum Mitmachen zur Verfügung stellen”. Die Jury spricht von Unterhaltung und Information auf hohem Niveau. Alexander Gorny, Yousef Hammoudah und Andreas Jacobi von Hobnox bedankten sich im Gespräch für den Vorschlag zur einer Nominierung bei den “Online-Redakteuren”. “Wir freuen uns total und sind zugleich überrascht über die frühe Auszeichnung”. Sie seien in der Betaphase und hätten nicht mit dem Grimme Online Award gerechnet. Den Publikumspreis überreicht der Schauspieler Matthias Koeberlin. Dafür hatten User aus den 19 nominierten Websites gevotet und er ging an die Website von “Sandra Schadek”. Sandra Schadek widmet sich dort der tödlich verlaufende Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) – aus der Sicht einer Betroffenen.



Interaktionsgestaltung im Web 2.0: Mehr als Interface-Design

10 07 2008

Logo des MedienforumsDie einfache Bedienung einer Website im neuen Internet ist die Kernbedingung jeder Internetpräsenz, die sich den Stempel Web 2.0 aufdrückt. Viele User vermuten, dass ein schickes Design ausreichend ist. Wichtiger ist jedoch die Usability im Zusammenspiel mit dem Interface-Design, genauso wie die Technik die hinter dem Web 2.0 steckt. Doch was ist nun das Web 2.0? Robert Basic, von “Basic Thinking”, hat mit seinen Gästen versucht etwas Licht ins Dunkele zu bringen.

Im Mittelpunkt stand die einfachen Bedienung der Benutzeroberfläche, dem Interface. Dabei geht es nicht nur um die Gestaltung einer Web 2.0-Website, sondern auch die Web-Technik. Das Web 2.0 überschreitet die Grenzen des bisherigen Webs. Es verbindet Dienste, Nutzer können selber ohne großen Aufwand publizieren und Plattformen integrieren desktopähnliche Anwendungen.

Viel Neues konnten die Besucher bei der Diskussionsrunde nicht erfahren, die durch Robert Basic von “Basic Thinking” geführt wurde. Über das Diskutierte wird seit einigen Jahren auch in den Medien und unter Fachleuten gestritten. Volker Binder von der Deutschen Telekom stellte das neue Webkonzept des Konzerns vor und zeigte den Besuchern bei seiner Präsentation, was das Unternehmen aus dem “Massenmarkt” unter der Gestaltung einer Web 2.0-fähigen Website versteht. Dabei stand die Kombination der bisher nebeneinander existierenden Produkte, die nun zu einem Gesamtprodukt zusammenwachsen, im Mittelpunkt. Schwerpunkt der Interaktionsgestaltung sei die Vereinfachung und Integration von funktionalen Modulen wie zum Beispiel Mash-ups und deren Vernetzung untereinander. So kann ein User beispielsweise einfach Fotos aus dem Mediencenter seines Telekom-Accounts per Drag’n’Drop in ein mit Flickr geöffnetes Browserfenster ziehen. Das entspricht dem Verhalten einer Desktop-Anwendung.

Die Experten waren sich dabei einig, dass eine Website aus dem Web 2.0 einfach zu bedienen sein sollte, so dass der Nutzer intuitiv und mit einem guten “Klickflow” schnell und einfach zu einem gewünschten Ergebnis kommt. Ein aufwändiges und ausgefallenes Design sei schön und gut, so Hansjörg Zimmermann, Professor an der Macromedia Fachhochschule für Medien in München und Geschäftsführer der “Argonauten”, aber wenn der User bei der Navigation oder Nutzung Schwierigkeiten hätte, dann führe es zu nichts. Die Oberfläche solle “sinnlich” sein und der Nutzer solle erst gar nicht nachdenken müssen, wie er von A nach B kommt. Trotzdem solle das Interface gut aussehen und funktional sein. Für Robert Basic sei die neue Schnittstelle von Microsoft, “Surface”, eine wirkliche Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Für Klemens Dreesbach von Microsoft Deutschland bedeuten die Applikationen des Web 2.0 einen Mehrwert für den User: “Power to the people” sei die Devise. Jeder könne nun einfach über Blogtools seinen eigenen Content generieren. Das wäre zwar auch zu Zeiten des Web 1.0 gegangen, jedoch sei es damals für die meisten User mit wenig Know-How nicht einfach möglich gewesen. Nun seien aber die technischen Barrieren gebrochen worden.

Im Großen und Ganzen hat der Besucher dieses Panels nicht viel Neues erfahren können. Die Experten konnten selber nicht viel zu dem Thema sagen, weil Robert Basic das Publikum etwas übermäßig einbezogen hat, in dem er viel zu oft zwischen den Sitzreihen herum gelaufen ist und die Audience nach ihrer Meinung gefragt hat. Am Ende lobte er überschwänglich und unverhältnismäßig lange die Plattform “Twitter” als Musterbeispiel für eine Web 2.0-Anwendung. Nichtsdestotrotz wird es in Zukunft noch viele Diskussionen über Web 2.0 geben, weil die Techniken, die dahinter stecken, schon lange vor der neuen Bezeichnung existiert haben. Insofern kann von einer anderen Wahrnehmung des Webs gesprochen werden, das heutzutage wesentlich dynamischer und funktionaler ist.